Neustrelitz ganz vorne in Sachen Bioenergie

Nordkurier, Strelitzer Zeitung vom 8. November 2016

Die Hackschnitzelberge vor dem Neustrelitzer Heizkaftwerk sind meterhoch. Rund 75 000 Tonnen davon werden pro Jahr verheizt, um mehr als 80 Prozent des Wärmebedarfs aus Biomasse zu decken. Jetzt darf sich Neustrelitz neben zwei anderen Städten in Deutschland erstmals Bioenergie-Kommune 2016 nennen.    
Heizkraftwerk, Landeszentrum für erneuerbare Energien (Leea) oder auch Solarparks. Dass Neustrelitz auf erneuerbare Energien in allen erdenklichen Formen setzt, ist kein Geheimnis. Doch dass dies preisverdächtig ist, hätte sich vor einigen Jahren niemand träumen lassen. Jetzt steht es jedoch fest: Neustrelitz ist neben Willebadessen in Nordrhein-Westfalen und Ascha in Bayern Bioenergie-Kommune 2016. Darüber hat jetzt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirschaft informiert.


Was hat Neustrelitz in Sachen Bioenergie zu bieten, was andere nicht haben? Die Jury hat überzeugt, dass die Stadtwerke Neustrelitz ein Holzheizkraftwerk am Stadtrand betreiben, das in das öffentliche Stromnetz und das städtische Fernwärmenetz einspeist. Das allein reicht noch nicht für eine Auszeichnung. „Außerdem sind die Stadtwerke Betreiber von zwei Solarparks“, heißt es in der Information aus dem Ministerium. „Hinzu kommen weitere öffentliche und private Fotovoltaik- und Biogas-Projekte.“

Gepunktet hat das Holzheizkraftwerk damit, dass mehr als 80 Prozent des Wärmebedarfs und mehr als 70 Prozent des Strombedarfs der Neustrelitzer aus Biomasse abgedeckt werden. „Diese Werte sind landesweit Spitze“, wird gelobt. „Wärmeverluste gibt es nicht – in den Sommermonaten erzeugt das Kraftwerk mit der Fernwärme das Warmwasser für die Haushalte und produziert aus Überschüssen Strom.“ Würde eine Glocke über die Stadt gestülpt werden, müsste also niemand frieren.

Wie ein eigener Kreislauf funktioniert die Wärmeversorgung der Stadt. Denn die Hackschnitzel werden aus dem Holz der umliegenden Wälder geliefert. Immerhin handelt es sich dabei um rund 75 000 Tonnen. Alles Holz, was nicht aus dem direkten Umfeld kommt, wird aus maximal 80 Kilometer Entfernung geliefert. 2005 konnte das Werk in Betrieb genommen werden. Rund 50 Leute sind dort in Lohn und Brot.

Müritz-Ötzi, pupsende Kuh und Co. haben überzeugt
Die Stadtwerke hat das Ministerium als treibende Kraft in Sachen Bioenergie auserkoren. Nicht nur mit dem Holzkraftwerk konnte der Gewinn eingeheimst werden, sondern auch das Landeszentrum für erneuerbare Energien (Leea) dürfte die Jury überzeugt haben, den Blick für Neustrelitz zu schärfen. Das Zentrum wird als überregional bedeutend eingeschätzt. Die „Ressourcenkammer Erde“ mit Müritz-Ötzi, pupsender Kuh und windanfälligem Floß hat Neustrelitz im Wettbewerb ganz nach vorn katapultiert. „Aktuell auf der Agenda steht der weitere Ausbau der Elektromobilität, die auf vor Ort produziertem grünen Strom basieren soll“, wird weiterhin lobend hervorgehoben.

Der Neustrelitzer Bürgermeister Andreas Grund freut sich über den Preis und vor allem darüber, dass das Engagement der Stadt auch beim Ministerium in der Hauptstadt Beachtung findet. Unter 20 Bewerbern um die Bioenergie-Kommune habe sich Neustrelitz durchgesetzt, sagte er. Der Wettbewerb wurde vom Ministerium ausgelobt und durch eine Fachagentur betreut. Die Preisträger erhalten jeweils 10 000 Euro. Mit dem Geld soll die Ladeinfrastruktur für Elektro-Autos verbessert werden, hieß es am Montag aus dem Rathaus. Als Bioenergiedörfer können sich inzwischen 180 Orte bezeichnen, die sich von fossilen Energien abgekoppelt haben. „Die im Bundeswettbewerb prämierten Bioenergie-Kommunen machen deutlich, wie eine überwiegend erneuerbare und nachhaltige Wärme- und Stromversorgung auch in Städten möglich ist“, sagte Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung, Christian Schmidt.

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