Hier ist der Strom noch gratis

28. April 2014            Strelitzer Zeitung/ Tobias Lemke

Neustrelitz hat eine neue Tankstelle, und zwar speziell für Elektroautos. Ab sofort können Fahrer eines E-Mobils an einer Zapfsäule auf dem Parkplatz vom Leea ihren Akku aufladen.


NEUSTRELITZ. Sie schnurrt wie ein Kätzchen, die neue Elektrozapfsäule am Landeszentrum für erneuerbare Energien (Leea) in Neustrelitz. Das leise Surren ist aber nicht etwa der Strom, der durch die Kabel fließt, sondern kommt von der Kühlung der Anlage.
Auf dem Parkplatz vor dem Landeszentrum ist am Sonnabend zum bundesweiten Tag der erneuerbaren Energien eine neue Schnell-Ladesäule der Stadtwerke Neustrelitz in Betrieb gegangen. Es ist erst die 11. öffentliche Stromzapfsäule in Mecklenburg-Vorpommern, und die einzige an der Bundesstraße 96 gelegene. Auf halber Strecke zwischen Berlin und Ostsee habe die Strom-Tankstelle also eine strategisch günstige Lage, sagt Leea-Geschäftsleiter Falk Roloff-Ahrend.
Rund zwei Stunden benötige eine komplette Ladung des Akkus eines Elektrofahrzeuges. Umgerechnet zwischen drei und vier Euro pro 100 Kilometer müsse der Stromtanker dafür berappen, erklärt Roloff-Ahrend. Bis Ende Mai ist die Tankfüllung noch kostenlos. Danach funktioniert das Bezahlsystem mittels sogenannter RFID-Karten, die zu den Öffnungszeiten auch im Leea erhältlich sind.
In Neustrelitz sei sogar noch eine zweite Ladesäule für die Innenstadt geplant. „Den Platz dafür haben wir schon gefunden“, sagt Leea-Mitarbeiter Jens Kiel. Vorgesehen sei eine Stelle auf dem Parkplatz in der Bruchstraße.
Die Technik für Elektro-Mobilität sei vorhanden und ausgereift. „Jetzt muss es aber in die Köpfe und schließlich von der Bevölkerung getragen werden“, hofft Roloff-Ahrend.
Dass diese Aufgabe in einer ländlichen Region schwerer fällt als in Ballungsgebieten, muss der Leea-Geschäftsleiter dabei eingestehen. „Hier muss man stärker bedenken, welche Strecken zu fahren sind“, erklärt er. Mit derzeitigen Reichweiten von rund 150 Kilometern könne der Umstieg aufs Elektroauto bisher nicht bei jedem funktionieren. Auch die Stadtwerke werden vorerst kein E-Mobil in der Fahrzeugflotte haben, sagt Roloff-Ahrend. Ein Gegenbeispiel, wo es funktioniert, weil die zu fahrenden Strecken kürzer ausfallen, sei die Neustrelitzer Wohnungsgesellschaft (Neuwo). Die Neuwo nutzte seit rund zwei Jahren ein Elektroauto.
Eine sehr verhaltene Nachfrage muss so auch Mario Langner vom Neubrandenburger Renault-Autohaus Piahowiak dem Elektroauto bisher attestieren. Seit Einführung eines elektrisch angetriebenen Kleinwagens von Renault habe er drei Modelle verkauft. Die schwachen Verkaufszahlen führt Langner vor allem auf die ländliche Region zurück. Denn deutschlandweit zeige der Trend durchaus nach oben.
„Da werden im Durchschnitt 100 bis 150 Stück unseres Elektroautos abgesetzt“, erklärt der Verkaufsberater.
Neben der Einweihung der neuen Ladesäule bot das Leea am Sonnabend weitere Informationen und Aktionen an. So konnten sich Interessierte in Sachen Energieanlagen, Energieeffizienz und Energiesparen beraten lassen. Elektro-Fahrräder wurden vorgestellt und die Verkehrswacht bot die Codierung mitgebrachter Räder zum Schutz vor Diebstahl an.

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